FAQ
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Wir über uns

Warum gibt es das Hector-Seminar?

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und sollten gleiche Chancen haben.

Menschen sind gleichwertig, aber keinesfalls gleichartig. Eine Gesellschaft, in der alle trotz ihrer individuellen Verschiedenartigkeit gleiche Bildungschancen haben sollen, braucht ein möglichst vielfältiges Bildungsangebot. Alle Kinder und Jugendlichen sollen die Chance haben, eine Lernumgebung zu finden, die ihrem eigenen Lern-, Leistungs- und Talentprofil entspricht.

Diese Idee ist im Schulgesetz von Baden-Württemberg verankert: „…dass jeder Mensch ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage das Recht auf eine seiner Begabung entsprechende Erziehung und Ausbildung hat.“

Daraus leitet sich der Auftrag an unsere Gesellschaft ab, ein differenziertes Bildungsangebot zu schaffen, das den verschiedenen individuellen Begabungen gerecht wird. Die Zielformulierung für unser Bildungssystem muss also lauten:

„Nicht für alle das Gleiche, sondern für jeden das Beste!“

An den allgemein bildenden Schulen wird schon viel für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler getan. Zudem gibt es im privaten Umfeld, in Musikschulen und Vereinen bereits sehr viele Angebote zur Förderung besonders sportlicher oder/und musikalischer Kinder. Wir im Hector-Seminar haben uns zum Ziel gesetzt, hochbegabte und motivierte Schülerinnen und Schüler im mathematisch-naturwissenschaftlichen und technischen Bereich (MINT-Bereich) zu fördern, da in diesem Bereich noch eine erhebliche Förderungslücke besteht.

Was ist Begabung, was ist Hochbegabung?

Begabung ist ein Potential, mit dem Menschen ausgestattet sind.

Hochbegabung hat sehr verschiedene Gesichter. Manche Hochbegabte fallen schon in jungen Jahren durch außergewöhnliche Fähigkeiten auf, andere bleiben unerkannt. Manche werden in der Schule apathisch oder hyperaktiv, andere entwickeln sich zum Klassenclown, weil sie wegen fehlender Leistungsanreize gelangweilt sind. Das Spektrum hochbegabter Kinder und Jugendlicher reicht von vielseitigen Einserschülern bis zu sogenannten „underachievern“, die weit unter ihren Möglichkeiten bleiben. 

Begabung ist das Potential, eine überdurchschnittliche Leistung zu erbringen. Zu den Hochbegabten zählt man etwa 2 bis 3 % der Bevölkerung. Nach einem sehr bekannten, aber stark vereinfachenden Maß für Hochbegabung, dem Intelligenzquotienten (IQ), werden Menschen mit einem IQ von über 130 als hochbegabt angesehen. Uns im Hector-Seminar helfen verschiedene Testverfahren, Aussagen über die Begabung bzw. Hochbegabung von Kindern und Jugendlichen zu machen. Die Schülerinnen und Schüler des Hector-Seminars werden anonym von unabhängigen Fachleuten getestet und ausgewählt.

Wie fördert das Hector-Seminar?

Förderung hochbegabter junger Menschen mit einem vertiefenden Angebot in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT)

Das Hector-Seminar bietet eine Ergänzung zum schulischen Angebot der Gymnasien, beginnend von der Klassenstufe 6 bis zur gymnasialen Oberstufe.

Hochbegabte sind oft in ihrem Klassenverband isoliert, da sie als „Streber“ abgestempelt werden und/oder sich wegen ihrer anders gelagerten Interessen unverstanden fühlen. Bei der Förderung Hochbegabter besteht somit eine Spannung zwischen individueller Förderung und sozialer Integration. Anders als bei Hochbegabteninternaten oder Hochbegabtenzügen an allgemein bildenden Schulen, bieten wir im Hector-Seminar ein Förderangebot, bei dem die Jugendlichen in ihren sozialen Gruppen verbleiben können. Neben einer Förderung ihrer besonderen Stärken und Fähigkeiten erfahren sie auch einen Perspektivenwechsel in ihrer sozialen Rolle: Im Hector-Seminar erleben sie sich als Teil einer neuen, individuell vielfältigen Gruppe, in der Leistungsbejahung normal ist. Dort lernen sie, individuelle Unterschiedlichkeit zu akzeptieren und zu tolerieren.

Thematisch ist das Hector-Seminar im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) verankert. Bei den Projekten wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt. Unser übergeordnetes Ziel ist die ganzheitliche Entwicklung der Persönlichkeit, die Aktivierung und Entfaltung der kognitiven, methodischen, personalen und sozialen Potentiale und die Entwicklung der entsprechenden Kompetenzen und Fähigkeiten.

Im Hector-Seminar fordern wir von den Teilnehmenden ein hohes Maß an Engagement, Leistungswillen und Belastbarkeit, Zuverlässigkeit, Bereitschaft zur Zusammenarbeit und Übernahme von Verantwortung, Hilfsbereitschaft und Toleranz.

Wie kommt man ins Hector-Seminar?

Voraussetzung: Teilnahme an einem standardisierten Eingangstest

Voraussetzung für die Aufnahme ins Hector Seminar ist die Teilnahme an einem standardisierten Eingangstest. Der Test findet an verschiedenen staatlichen und privaten Gymnasien in Nordbaden zu Beginn der 6. Klasse statt. Die Testteilnehmerinnen und -teilnehmer werden von den Lehrkräften der Schulen in unserem Einzugsbereich (sogenannte „MINT-Schulen“) für den Test vorgeschlagen.

Der Eingangstest wurde von Prof. Dr. Kurt Heller vom Institut für Pädagogische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München entwickelt. Dabei handelt es sich nicht um einen Intelligenztest im üblichen Sinn: Durch eine spezifische Testkombination können die besondere Begabungen und Interessen im naturwissenschaftlichen Bereich und der Mathematik erkannt werden.

Die Auswertung der Tests erfolgt durch Prof. Christoph Perleth an der Universität Rostock. Nach Rangfolge der Testergebnisse werden die besten der getesteten Schülerinnen und Schüler zur Aufnahme ins Hector-Seminar eingeladen. Sowohl die Teilnahme am Test als auch die Teilnahme am Hector-Seminar erfolgen freiwillig und bedürfen der Einwilligung der Erziehungsberechtigten.

Kinder, die als Hectorianer angemeldet sind, nehmen zusätzlich zu ihren regulären schulischen Verpflichtungen verbindlich an den Veranstaltungen des Hector-Seminars teil. Die Förderung im Hector-Seminar erfolgt kontinuierlich ab der sechsten Klasse über die gesamte Gymnasialzeit hinweg bis zur Oberstufe.

Was macht man im Hector-Seminar?

Kursnachmitttage: ein Nachmittag pro Woche an den Standortschulen in Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe und Pforzheim

Die einzelnen Kurse des Hector-Seminars treffen sich jeweils an einem Nachmittag pro Woche an ihren Standortschulen. Sie befassen sich zusammen mit ihren Kursleiterinnen und Kursleitern intensiv mit Fragen und Aufgaben aus allen Bereichen der Mathematik, der Informatik, der Naturwissenschaften und Technik (MINT). Jeder Kurs wird von zwei Lehrkräften im team-teaching betreut.

Mathematik, Informatik, die Naturwissenschaften Biologie, Geologie, Geographie, Physik und Chemie, sowie die Technik mit ihren vielfältigen Anwendungen stellen einen riesigen Strauß an Themen bereit. Daraus wählen die Kursleiterinnen und Kursleiter nach pädagogischen und didaktischen Grundsätzen die Themen aus, die zum Erreichen der Förderungsziele geeignet sind. Das reicht von klar vorgegebenen Experimenten und Untersuchungen bis hin zu umfangreichen Projekten, die von den Schülerinnen und Schülern mit viel Eigeninitiative bearbeitet werden. Manche Themen können gut alleine oder in der Zweiergruppe in einer Kurssitzung abgeschlossen werden. Andere werden in halbjährigen Modulen standortübergreifend und jahrgangsübergreifend in einer größeren Gruppe bearbeitet. Den Abschluss des Hector-Seminars bildet eine Seminararbeit, die von Partnern aus Industrie und Wissenschaft betreut wird und ein Schuljahr lang dauert.

In den Veranstaltungen des Hector-Seminars schaffen wir ein Lernklima, in dem die Hectorianerinnen und Hectorianer ihre Wissbegierde stillen und ihre hohe Leistungsbereitschaft und ihr hohes Engagement ausleben können. Darüber hinaus erfahren und erleben sie auch, dass sie ihre eigene Leistungsfähigkeit immer wieder weiter entwickeln können.

Wir vermitteln nicht nur theoretische Inhalte, sondern greifen oft auch Probleme auf, die ein forschend-entwickelndes Herangehen erfordern. Hierbei stehen nicht nur die Planung und Durchführung von Experimenten oder die Herstellung technischer Produkte im Vordergrund, sondern auch die Dokumentation und anschließende öffentliche Präsentation der Ergebnisse. Neben fachlichen und methodischen Kompetenzen fördern wir personale und soziale Fähigkeiten. Hiermit ist das zunehmend eigenverantwortliche Lernen genauso gemeint wie die verantwortungsbewusste Tätigkeit in einem Projektteam. Außer den Themen, die an den regulären Kurs-Nachmittagen behandelt werden, finden weitere größere Projekte und Exkursionen auch an den Wochenenden oder in Blockseminaren statt.

Um unsere Förderziele nachhaltig zu erreichen, arbeiten wir im Hector-Seminar auch mit außerschulischen Einrichtungen zusammen. Es bestehen Kooperationen mit Instituten der Universitäten und Hochschulen in Heidelberg, Karlsruhe, Pforzheim und Mannheim sowie mit vielen weiteren Einrichtungen der Forschung, Bildung und Lehre. Hier werden die Jugendlichen mit Problemen konfrontiert, deren Lösungen erst noch gefunden werden müssen.

Was wird von Teilnehmenden erwartet?

Von unseren Hectorianerinnen und Hectorianern fordern wir ein Engagement, das weit über das in der Schule Erwartete hinausgeht.

Leistungswillen, Belastbarkeit und Durchhaltevermögen sind unabdingbare Voraussetzungen für eine erfolgreiche Teilnahme am Hector-Seminar, denn Hochbegabung allein ohne die notwendige Motivation und Anstrengung führt nicht zur Weiterentwicklung der individuellen Fähigkeiten. Dabei setzen wir ein großes Interesse an naturwissenschaftlichen Themen und an naturwissenschaftlich-technischen Arbeitsweisen voraus. Wir erwarten außerdem, dass die Hectorianerinnen und Hectorianer auch offen sind für Themen, die auf den ersten Blick vielleicht weniger interessant erscheinen, und sich aktiv damit auseinandersetzen.

Da die Projekte fast ausnahmslos in Gruppen durchgeführt werden, in denen jeder auf den anderen angewiesen ist, legen wir großen Wert auf Zuverlässigkeit, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, Verantwortungsbewusstsein und Hilfsbereitschaft. Nicht zuletzt muss das Handeln in einer Gruppe geprägt sein von Toleranz, Höflichkeit und Rücksichtnahme gegenüber anderen.